2009hansedays
Bericht Nowgorod 2009

BPW visits 29th International Hanseatic days in Novgorod

to german text

Already the opening evening showed us, that not only the city of Novgord, but also the Russian government attributed a high level of importance to the international Hanseatic Days. The mayor, Nuri Bobryshob, pointed out, that Novogorod started the preparations of this international encounter in 1999 already. Not only the region, but also the Russian government was of great assistance during this preparations. The presence of the Russian vice-president Alexander Schukow gave the 29th Hanseatic Days a special level of importance. Over 2000 guests from over 80 Hanseatic cities were received by him and in his opening speech Schukow mentioned, that Russia has a great interest of a more intensive international relationship and cooperation.
All speeches have only been translated into German, which seemed to be the native language of most of the foreign participants.

Also during the economy panel the next day, the speakers pointed out the existential importance for Russia to open up more and more to Europe – in this way the International Hanseatic days of the last 29 years can be counted as positive example. The same way Hanseatic cities benefited in the mediaeval times of their regional activities and had it’s time of prosperity due to the interchange in economics and cultural affairs. One of the speakers mentioned, that still in our days Russia has to struggle with centralism and needs to develop more regional authentic centres to be more successful. In contrast to other industrial states Russia has few cities with more than one million inhabitants. Those few are situated in the north-west with an enormous land area with a very low density. A survey of McKinsey detected as main reasons the low rate of mobility and productivity of the Russian population.

[further translation into English follows]

 

BPW beim 29. Hansetreffen der Neuzeit in Novgorod

Russische Tänzerinnen während der Hansetage 2009Bereits der Eröffnungsabend machte uns deutlich, welche Bedeutung nicht nur Novgorod, sondern auch die Regierung Russlands dem Hansetreffen auf russischem Boden beimaß.

Der Bürgermeister Nuri Bobryshev hob hervor, dass Novgorod sich seit 1999 auf diese Tage vorbereitet hat und dabei nicht nur von der Region , sondern auch von der russischen Regierung sehr viel Unterstütz und erfahren hat . Die Anwesenheit des russischen Vizepremier Alexander Schukow gab dem 29 . Hansetag ein besonderes Gewicht. Schukow freute sich rund 2.000 Gäste aus über 80 Hansestädten zu begrüßen und betonte, dass Russland weitere Öffnung und intensivere Kooperation anstrebe. Die Reden der Zeremonie wurden ausschließlich ins Deutsche übersetzt, die Sprache der größten Gruppe der Teilnehmer.

Auch im Wirtschaftsforum unterstrichen die Redner, dass die Öffnung Russlands nach Europa von existentieller Bedeutung sei, und führten die ehemalige Hanse und die Hansetage der Neuzeit seit nunmehr 29 Ja hren als positives Beispiel an. Die Hansestädte haben bereits im Mittelalter von ihrer Regionalität profitiert und dank ihres wirtschaftlichen und kulturellen Austausches eine Blütezeit gehabt. Russland dagegen muss heute noch den Zentralismus überwinden und mehr regionale Zentren entwickeln. Im Gegensatz zu den anderen Industriestaaten hat Russland nur wenige Millionenstädte, die sich im Nordwesten konzentrieren, und eine enorme Fläche, die äußerst dünn besiedelt ist. Als Entwicklungshemmnisse hat man u.a. mit Hilfe von McKinsey auch die geringe Mobilität und Produktivität der Russen identifiziert. Derzeit leidet Russland erheblich unter der Wirtschaftskrise. Die für die weitere Entwicklung erforderlichen ausländischen Investitionen sind um mehr als 50% eingebrochen. So dienten die Hansetage auch dazu bei ausländischen Vertretern für Investitionen in Russland zu werben.

Text: Margrit Hintz, BPW Kiel
Foto: Nicole Rosenboom, BPW Bremen

 

Treff mit russischen Geschäftsfrauen

Nowgorod look at riverBesonders Highlight unserer Reise und Tage in Novgorod war die Begegnung mit russischen Business Women. Bei m Eröffnungsempfang, zu dem wir BPW gemeinsam mit offiziellen Vertretern der Hansestädte und Novgorods eingeladen waren, konnte die erste Vorsitzende der BPW Bremen, Christiane Niebuhr, Kontakt zu Galina S. Mateeva, Ombudsfrau der Novgorodregion, ehemalige stv. Bürgermeisterin Novgorods und Verantwortliche für die Vorbereitungen Novgorods auf die Hansetage, herstellen. Außerdem leitet Galina einen Businessclub von Frauen und pflegt Kontakte u. a. nach Rochester/USA, Straßburg. Sie lud ins in ihr Büro ein, wo wir bei Chai (Tee) und Kräuterlikör weitere Businessfrauen kennen lernten . Spontan bot uns Elena eine Führung durch ihren Betrieb an, der Türen, Fenster, Möbel, Küchen und neuerdings auch Gartenmöbel vorwiegend nach Bestellung fertigt. Ihr Mann hat das Unternehmen 1993 gegründet. Als er bereits zwei Jahre später verstarb, musst e sie den Betrieb trotz ihrer zwei kleinen Kinder übernehmen. Mit typischen weiblichen Fähigkeiten – Fragen stellen, auf Mitarbeiter vertrauen und sie einbeziehen, Fehler zulassen und aus ihnen lernen – hat sie es als Quereinsteigerin ohne Fachkenntnisse g eschafft, das Unternehmen nicht nur zu erhalten, sondern es erfolgreich weiter entwickelt. Sie hat es mit 15 Mitarbeiter übernommen und beschäftigt nun 70 Mitarbeiter . Sie beziehen keine Monatsgehälter, sondern arbeiten abhängig von der Auftragslage und er halten ihre Bezahlung auf Provisionsbasis. Eine Verkäuferin und der technische Leiter haben uns gern und stolz alle Fragen beantwortet.

Die maschinelle Ausstattung erschien relativ gering, Handarbeit spielt eine große Rolle. Arbeitsschutz war erheblich weniger zu erkennen als in Deutschland. Die Produkte sind überwiegend aus Massivholz, vorwiegend Pinie, aber auch Eiche, Verzierungen werden in Handarbeit geschnitzt und Bleiverglasungen eingesetzt. Die Möbel wirken für unseren Geschmack eher konservativ. Di e Küchen dagegen sind modern, äußerst funktionell und bieten auch auf kleinstem Raum – die Küchen in den meisten öffentlichen Mietw ohnungen scheinen sehr eng zu sein – sämtlichen Komfort. Ihr Büro nutzt Elena als Ausstellungsraum, indem sie die Möbel häufi g austauscht. Wir konnten eine Mosaikschreibtischplatte bewundern. Flyer, Kataloge und insbesondere zufriedenen Kunden werben für ihre Produkte.

Wie auch viele deutsche Frauen musste Elena ihre Kinder alleine groß ziehen, während sie gleichzeitig die berufliche Existenz und das Haushaltseinkommen sichern musste. Trotz - oder wegen - der doppelten Belastung und großen Herausforderung ist sie heute eine selbstsichere, offene, erfolgreiche und attraktive Frau.

Bei unserem nächsten besuch in Novgorod sind wir eingeladen, die Likörfabrik von Klavdiya zu besichtigen.

Text: Margrit Hintz, BPW Kiel
Foto: Nicole Rosenboom, BPW Bremen